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Ausstellungsorte in Chur: Forum Würth/Skulpturenpark/Bündner Kunstmuseum

Chur
Horst Antes
bis 20. Oktober 2019

Als Schüler des Holzschneiders HAP Grieshaber entwickelte Antes eine eigenständige figurative Bildwelt, die sich früh von Informel und Tachismus löste und ihm internationale Anerkennung einbrachte. Frühe Arbeiten zeigen noch die Prägung durch die informellen Tendenzen, womit Antes keineswegs allein war. In der Zusammenschau mit Werken von seinen Studienkollegen der Kunstakademie Karlsruhe, wie Heinz Schanz, Hans Baschang und Walter Stöhrer, wird die gemeinsame Orientierung dieser bedeutenden Gruppe von Malern und Zeichnern in der Ausstellung im Forum Würth Chur offenbar. Demgegenüber wird im Dialog mit HAP Grieshabers Holzschnitten dessen Vorbildcharakter deutlich. Erstmals ist nun in der Schweiz das Werk von Horst Antes aus der Sammlung Würth zu sehen.

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Eröffnet wird die Schau mit der Konfrontation von Antes mit Stöhrer. Eine weibliche Figur mit langem blauem Kleid und großen Füßen nebst einem stilisierten Vogel trifft auf „Aus Trümmern und Staub widersteht der Mensch mit dem Kopf eines Neugeborenen, schon ist er halbflüssig, halb Blume“. Wild gestisch aufgetragene Farbspuren sind zu sehen, versteckte und offene Glyphen sind auszumachen, doch die Dechiffrierungstabelle fehlt. Figuratives wird bei Stöhrer ebenso erahnbar wie bei Hans Baschangs Bleistift- und Wachsstiftarbeit, die sich mit der Frage von Bikini oder Einteiler befasst.

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Nachfolgend wenden wir uns der Maya von Antes zu, die mit zwei übereinander gesetzten Augen in die Welt blickt und rauschende weiße Haare besitzt. Unter einander gesetzt ist das Augenpaar bei der „Figur mit Ockerhut“, deren Blick und Füße nicht in die gleiche Richtung weisen. Will der Kopf etwas anderes als der Körper? Auf den Kopf scheint es wohl anzukommen, bei Horst Antes, gerade wegen seiner Vorliebe für Kopffüßler, die den Leib aussparen. So heißt es in einem O-Ton: „Im Kopf kann alles passieren, aber der Kopf schützt auch den Menschen. Es gibt offene bewohnbare Köpfe. Der ganze Mensch ist im Kopf enthalten. Und es gibt den leeren Kopf, der alles aufnehmen kann und wieder alles abgibt. ...“

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Bei Horst Antes findet man Figuratives in Riesengröße wie den „Großen gelben Kopf“, man entdeckt Figuren, die der Fantasie entsprungen sind, aber auch Archaisches in Anlehnung an indianische Kulturen der amerikanischen Kontinente. An Memento mori lässt eine hockende Figur mit Totenschädel denken, die von zwei anderen Figuren durch aufgestellte Wände abgeschieden ist. Eine dieser Figuren hat einen ausladenden Schritt und hält eine Vogelfigurine in der Hand. Betrachtet man die Köpfe der Figuren, meint man das Alter und die Jugend ausmachen zu können.

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Antes‘ „Großes grünes Bild“, zeigt zwei weibliche und eine männliche Figur, zu identifizieren an den hervorgehobenen primären Geschlechtsmerkmalen wie dem erigierten männlichen Penis. Ein wenig erinnern diese Figuren an die Ausschmückungen von Tempelanlagen wie der von Tikal und anderer Kultstätten in Mesoamerika.

Der Falklandkrieg stellte für Antes eine Zäsur dar: „Von diesem Zeitpunkt an habe ich keine Figuren mehr gemalt. Anstatt die Figur , d. h. den Menschen von innen und außen malend zu erfahren, schnitt ich an seiner Stelle Schablonen, legte diese auf die Malfläche und malte das Drumherum. Ich sparte den Menschen aus.“ So entstanden die Hausbilder statt der ausschließlichen Menschenbilder wie die kniende Figur im Haus des Navajo. Das sargförmige Haus symbolisiert dabei eine Kultstätte, symbolisiert zudem Leben und Tod zugleich.

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„Das große Dorf“ ist eine Ansammlung von gleichförmig gestalteten Häusern mit blauen Dächern. Am linken Bildrand kniet ein Paar, eine Anspielung auf die Gemälde aus der Gotik und Renaissance, die sehr häufig um ein Stifterpaar ergänzt wurden. Schwarze schwebende Figuren erinnern an die arachaischen Felszeichnungen australischer Ureinwohner. Zu sehen sind darüber hinaus auch die Arbeiten „T-Shirt“ und „Großer Zaun“.

Die überschaubare Ausstellung vermittelt einen guten Einblick in das Werk von Horst Antes, der zumeist mit seinem skulptierten Kopffüßlern im öffentlichen Raum die Blicke auf sich zieht.

Text: ferdinand dupuis-panther /Abb.: Rechte bei den Künstlern und Rechtenachfolgern, Fotos: Forum Würth/Ute Mainka

Informationen
Forum Würth Chur
Würth International AG
https://forum-wuerth.ch/de/


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