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Ausstellungsorte in Essen und Region: Folkwang Museum Essen / RuhrMuseum Essen /

Essen
Ruhr Museum

Aufbruch im Westen
bis 5. Janurar 2020

Die Sonderausstellung nimmt das Jubiläum „100 jahre bauhaus“ zum Anlass, die vielschichtige und faszinierende Geschichte der Künstlersiedlung Margarethenhöhe zu zeigen. Dabei hat diese als Gartenstadt konzipierte Siedlung so gar nichts mit der kubischen Architektur des Bauhauses und des sogenannten Neuen Bauens zu tun. Die sehr opulent konzipierte Schau präsentiert vor allem eindrucksvoll die Künstlerinnen und Künstler, die in den 1920er und 1930er Jahren auf der Margarethenhöhe gelebt und gearbeitet haben. Sie gibt damit Einblick in eines der bedeutendsten künstlerischen Experimente im Ruhrgebiet, das in Essen noch heute mit Einrichtungen wie der Folkwang Universität der Künste, dem Museum Folkwang oder der Keramischen Werkstatt auf Zollverein nachwirkt.

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Blick in die Ausstellung "Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe"; Copyright: Ruhr Museum, Foto: Deimel + Wittmar

Über 700 Objekte, darunter bedeutende Werke der einzelnen Künstler, aus Museen, aber auch aus Privatbesitz wurden für die Ausstellung zusammengetragen. Mit Originalmöbeln und Modellen, mit Plänen, Dokumenten und Fotografien stellt die Ausstellung die Gartenstadt Margarethenhöhe und das Leben und Arbeiten in der Künstlersiedlung vor. Zu sehen sind unter anderem Originalskulpturen, teilweise von der Margarethenhöhe, ferner das berühmte Stahlbuch, das Gästebuch der Stadt Essen, die Amtskette des Essener Oberbürgermeisters und die Meisterschale des Deutschen Fußball-Bundes – 1955 erhielt sie übrigens der heute in der Regionalliga herumdümpelnde Fußballverein Rot-Weiss Essen.

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Außenansicht des Quartier Nord auf dem Campus Welterbe Zollverein der Folkwang Universität der Künste; 2018; Copyright: Folkwang Universität der Künste, Essen, Foto: Veronika Kurnosova

Von der Geschichte der Margarethenhöhe bis …

Sechs thematische Oberkapitel und viele Unterkapitel beleuchten im Detail die Geschichte der Margarethenhöhe. Dabei widmet sich die Ausstellung nicht allein der Architektur dieser Gartenstadtsiedlung, die ohne die Ideen von Georg Metzendorf nicht denkbar ist, sondern auch dem Neuen Bauen, dem sogenannten Folkwang-Impuls, sprich der Idee der Durchdringung des Alltags mit Aspekten der Kunst. Die Geschichte der Gartenstadt Margarethenhöhe, die durch die Margarethe-Krupp-Stiftung maßgeblich gefördert wurde, ist ebenso Thema wie die Künstlersiedlung. 1919 wurde zunächst das Kleine Atelierhaus errichtet, zwei Jahre später Mietwohnungen mit integriertem Atelier. Die Seitenräume der Ausstellungshalle stellen die einzelnen Künstler vor, ob den Grafiker Hermann Kätelhön oder den Bildhauer Will Lammert und die Goldschmiedin Elisabeth Treskow, die sich auf der Margarethenhöhe niedergelassen hatten.

Was aber hat nun die Margarethenhöhe mit dem Bauhaus gemein? Ja, beide feiern ihr 100. Jubiläum. Doch da ist noch mehr, nämlich die Verquickung von bildender Kunst und Kunstgewerbe, Fotografie und Tanz sowie Theater.

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Schatzgräberbrunnen von Joseph Enseling auf der Margarethenhöhe, um 1912; Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum, Foto: Anton Meinholz

Margarethenhöhe - das war auch Zeitgeist, da es in Essen nicht die einzige Siedlung ihrer Art war. Es gab noch weitere Siedlungen mit ähnlichen Prägungen, so die Stadtwaldsiedlung oder die Kruppsiedlung Alfredshof II und in Essen-Borbeck, entstanden in den 1920er und 1930er Jahren. Gewiss, die Margarethenhöhe zeichnete sich aufgrund der Anwesenheit von Künstlern besonders durch den Bauschmuck aus, so der spielende Bär von Joseph Enseling – einst im Gasthaus Margarethenhöhe zu finden - und die Katzen von Will Lammert, die die Torzugänge zum Innenhof des Robert-Schmohl-Platzes schmückten. Aber auch das Kleine und Große Atelierhaus waren Alleinstellungsmerkmale.

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"Die Säerin", Bronzeskulptur von Joseph Enseling, 1934; Copyright: Margarethe Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge, Essen, Foto: Rainer Rothenberg

Kunst und Margarethenhöhe
Das Thema Künstlersiedlung wird dank einer zentralen großen Ausstellungsinsel in den Fokus gerückt. Zu sehen ist ein müder Bergmann, der sich niedergekauert hat. Zu verdanken ist der Holzschnitt Hermann Kätelhön. Der stehende Frauenakt in Bronze stammt von Margret Dorn-Malin, die im Atelier von Will Lammert tätig war. Wir stehen einer schlanken Frau gegenüber, die sich in Pose gestellt hat und mit ihren Reizen keineswegs geizt. Überlebensgroß ist die Figur der Säerin, die 1934 von Joseph Enseling konzipiert wurde. An Volkskunst knüpft „Hahn und Huhn“ an. Es sind Keramiken von Richard Malin, die wohl als Brunnenfiguren dienten. Zu sehen ist außerdem ein Selbstbildnis von Josef Albert Benkert, einem Schüler von Christian Rohlfs und seit 1924 Bewohner der Margarethenhöhe. Mit einem Plexiglaseinband versehen ist der Fotoband mit 100 Natur- und Tieraufnahmen, die Albert Renger-Patzsch „geschossen“ hat. Dieser gilt als einer der wichtigsten Dokumentaristen des Ruhrgebiets.

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Elisabeth Treskow bei der Arbeit in ihrer Goldschmiedewerkstatt, 1927; Copyright: Fotoarchiv Ruhr Museum

Nicht nur Hermann Kätelhön

In der Druckwerkstatt des Kleinen Atelierhauses entstanden zahlreiche Arbeiten des Grafikers Hermann Kätelhön, dem in der umfänglichen Schau einer der Seitenräume gewidmet ist. Ihm ist zudem die Gründung der Keramischen Werkstatt in der Siedlung zu verdanken. Vor allem Radierungen über den Bergbau und das Ruhrgebiet hinterließ dieser Künstler der Nachwelt. Er entwarf Notgeld für die Stadt Marburg ebenso wie ein Aquarell mit der Ansicht des Lahntals und der auf einer Anhöhe thronenden Stadt Marburg. Zu den Ruhrgebietsansichten Kätelhöns gehört die Ansicht der Zeche Minister Stein in Dortmund. Sehr beeindruckend ist seine Lithografie eines Bergmanns: Abwesend scheint der Blick. Das Gesicht ist von der harten Arbeit gezeichnet. Es scheint, als habe dieser Bergmann keine Illusionen mehr über die Zukunft. Eines der letzten Werke Kätelhöns wird auch gezeigt: das Porträt seines Sohnes in Uniform, entstanden 1940.

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Straßenszene in Afrika, Aquarell von Gustav Dahler, 1942; Copyright: Cornelia Wittwer, Schramberg, Foto: Rainer Rothenberg

Ein weiteres Kabinett ist dem Bildhauer Will Lammert vorbehalten, der als Kommunist und wegen seiner Ehe mit einer Jüdin während des sogenannten III. Reichs verfolgt und verfemt wurde, sodass er emigrieren musste. Mit kubistischen und konstruktivistischen Stilelementen schuf er das Porträt der Tänzerin Ruth Tobi, die ihren Blick gesenkt hält. Dabei scheint Lammert in der Formensprache durchaus eine Nähe zur Bronze-Büste von Herwarth Walden, gestaltet von William Wauer, zu zeigen. Genauso ausdrucksstark gelang Lammert die Darstellung einer Tänzerin mit Schal, die ihr Kleid gerafft hat. In jedem Moment erwartet man eine gekonnte Drehung der Figur. Betrachtet man Lammerts goldenen Kopf und erfährt, dass dieser auf der Kölner Weltausstellung 1914 für Empörung gesorgt hat, wundert man sich nur. Es handelt sich dabei um die Kopfbüste einer Frau mit langer, flacher Nase und einem Haarknoten als Frisur. Sorgte vielleicht die asiatisch erscheinenden Augenpartie für Empörung?

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Ehrenurkunde für Mitarbeiter der Harpener Bergbau AG, Grafik von Hermann Kätelhön, 1928 – 1933; Copyright: Ruhr Museum, Foto: Rainer Rothenberg

Der Rom-Preisträger der Preußischen Akademie der Künste von 1931 schuf obendrein Figurinen wie „Kleine Stehende“ und „Kleine Liegende“. Zahlreiche seiner Arbeiten wurden jedoch zerstört, so auch der sogenannte Straußenbrunnen

Die Buchbinderin Frida Schoy ist eine der wenigen Frauen, die im Kontext der Margarethenhöhe, von Bedeutung waren. Sie arbeitete eng mit der Goldschmiedin Elisabeth Treskow zusammen. Neben Lederarbeiten experimentierte Schoy auch mit Plexiglas und Stahl. Das sogenannte „Stahlbuch“, das Gästebuch der Stadt Essen, ist ihr Werk. Von 1947 bis 1955 war sie Dozentin an der bekannten Folkwangschule in Essen. Die in Schwäbisch-Gmünd ausgebildete Goldschmiedin Elisabeth Treskow wird auch in einem Seitenraum vorgestellt. Sie kam 1923 nach Essen, zog allerdings 1943 nach Detmold. Von ihr stammen u. a. der ausgestellte feuervergoldete Messkelch und die bereits oben erwähnte DFB-Meisterschale. Mit seiner Kamera hat übrigens kein Geringerer als Albert Renger-Patzsch die künstlerische Arbeit Treskows begleitet.

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Albert Renger-Patzsch, "Emailleschalen (Künstler: Kurt Lewy)", Essen, um 1928 / Fotografische Sammlung/Museum Folkwang, Essen © Albert Renger-Patzsch / Archiv Ann und Jürgen Wilde, Zülpich / VG Bild-Kunst Bonn 2019

Die Keramische Werkstatt

Auf Initiative von Hermann Kätelhön entstand 1924 die Keramische Werkstatt, die anfänglich unter der Leitung von Will Lammert stand. 1933 wurde die Werkstatt auf das Gelände der Zeche Zollverein verlegt, da sich Anwohner der Margarethenhöhe wegen der Geruchsbelästigung gestört fühlten. Im Geiste des Jugendstils schuf Kätelhön 1908 seine Vase mit tropfenden Blumenmotiven. Helmut Gniesmer war für die Vase mit Schuppenmusterung verantwortlich, die 1958 entstand. Zudem ist auch aktuelle Gebrauchskeramik in matten Grau- und Blautönen zu sehen. Unser Blick fällt beim Rundgang zudem auf den Kopf einer jungen Frau, eine Arbeit von Grete Jungfer, sowie auf die „Klagende Mutter“ von Fritz Cremer, der u. a. Schüler von Will Lammert war.

Mankopf, Renger-Patzsch und Lewy

Kurz wird die Zeit des Nationalsozialismus gestreift und ein Blick auf die Entwicklung der Folkwangschule gerichtet. Albert Fischer wurde damals seines Amtes enthoben und durch den strammen Parteigänger und Nazi Albert Mankopf ersetzt. Er brachte die Schule auf Parteilinie und sorgte unter anderen auch für die Entlassung von Kurt Lewy. Mankopfs Gesinnung spiegelt u. a. die ausgestellte Gedenktafel für die sogenannten Blutzeugengefallenen wider.

Albert Renger-Patzsch, der sich seit 1929 der Ruhrgebietsfotografie widmete und dem wir Aufnahmen von Zerstörungen Essens im II. Weltkrieg verdanken, ist in der Schau auch ein „Kabinett“ vorbehalten. Zu sehen sind von ihm u. a. eine Krabbenfischerin, die in ihr Netz eingehüllt ist, aber auch die Große Galerie im Museum Folkwang. Die Zeche Zollverein hat er in Schwarz-Weiß ebenso festgehalten wie die zerstörte Essener Innenstadt.

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Meisterschale des Deutschen Fußball-Bundes (Kopie), Elisabeth Treskow, 1948/49; Copyright: Rot-Weiss-Essen, Foto: Rainer Rothenberg

Kurt Lewy, seines Zeichens in Grafikdesign und Emaillekunst ausgebildet, arbeitete in Essen und Berlin, ehe er wegen seines jüdischen Glaubens in die Emigration nach Belgien gezwungen wurde. Ihm ist nicht nur ein Plakat für die Folkwangschule zu verdanken, sondern auch der Thorarollen-Schrank für die Neue Synagoge in Essen. Stilistisch an Frans Masareel angelehnt ist sein Holzschnitt, der das Porträt eines Mannes zeigt. Auch das Aquarell „Abstrakte Konstruktion“ stammt von Lewy.

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"Kleine Liegende III", Bronzeskulptur von Will Lammert, 1931; Copyright: Museum Folkwang, Essen © VG Bild-Kunst, Bonn 2019, Foto: Jens Nober

Weitere Einzelräume sind unter anderem Richard Malin und Hermann Schadt gewidmet. Abschließend sei noch besonders auf Joseph Enseling hingewiesen: Er schuf nicht nur die Reliefplatte mit Mann und Frau, sondern auch den bronzenen Bettler, Mutter mit Kind und den Geldzähler. Diese lebensgroßen Skulpturen standen ursprünglich über dem Eingang der Essener Sparkasse. Heute sind sie in der Schalterhalle zu finden

Fazit: Die Ausstellung ist durch Saaltexte gut strukturiert. Die thematische Gliederung stellt es jedem frei, mit welchem Thema er sich befassen möchte. Einen strengen Ausstellungsrundgang gibt es nicht. Inklusion scheint jedoch für den Ausstellungsarchitekten ein Fremdwort zu sein: Die Beschriftungen sind teilweise auf den niedrigen Sockeln der Ausstellungsinseln angebracht und somit für Menschen mit Seheinschränkungen nicht zu identifizieren. Das betrifft vor allem die große Ausstellungsinsel im Mittelgang des Ausstellungssaals, die exemplarisch die Künstler der Margarethenhöhe mit einzelnen Arbeiten vorstellt.

Text: © ferdinand dupuis-panther

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Georg Metzendorf, Bronzeporträt von Joseph Enseling, 1925; Copyright: Museum Folkwang, Essen, Foto: Rainer Rothenberg

Ruhr Museum Zollverein A 14
https://www.ruhrmuseum.de/startseite

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