Buchbespechung

100 Orte in Ostbelgien & Umgebung

 

Wer denkt, er kenne diese Grenzregion im Osten des Königreichs Belgien in- und auswendig, der muss sich von Bernd Müllender eines besseren belehren lassen. Was hat es mit Zyklopenbäumen, mit dem Eupener Auenland, mit Fritten für Ungläubige, mit Weltkriegsbier, mit dem Lütticher Bahnhofsmuseum, der Tanzorgel im Café Modern in Teuven oder dem Casinoweiher in Kelmis auf sich? Der Autor weiß es und bringt uns diese und andere „Kuriositäten“ näher, die Ostbelgien und die Umgebung dieser Region zu bieten haben.

Blühende Metalldetektoren und ...

Dass der Casinoweiher in Kelmis einst aus der Aufstauung der Göhl entstand, um das Wasser für das Reinigen der Galmeierze zu gewinnen, wissen wohl die wenigsten. Dass sich nach der Aufgabe der bergbaulichen Aktivitäten eine besondere Flora mit Grasnelken und Narzissen – gleichsam blühende Metalldetektoren – entwickeln konnte, ist auch nur dem einen oder anderen bekannt. Wer etwas abseits wandern und gemütlich radeln will, dem empfiehlt der Autor die Enklave Voeren/Fourons. Jahrelang tobte um dieses Fleckchen Erde ein heftiger Streit, denn in den 1960er Jahren wurde Fourons einfach Flandern zugeschlagen. Berühmtheit erlangte der Bürgermeister José Happart, ein wallonischer Landwirt, der sich sieben Jahre lang weigerte auch nur ein Wort Flämisch zu reden, wie Müllender ausführt.

 

Bernd Müllender - 100 Orte in Ostbelgien & Umgebung

 

Decap-Tanzorgel und Bierverkostung

Wer ein Faible für mechanische Musikinstrumente hat, muss das Café Modern in Teuven besuchen, wo sich eine alte Decap-Tanzorgel befindet. Für einen Euro kann man Märsche oder Volkslieder hören. Besucht man die Abtei Val-Dieu im Herver Land, so kann man sich bei einer Führung ein Bild von der Klostergeschichte machen, aber auch eines der vier Biere verkosten, die die ortsansässige Braumeisterin Virgine Harzé braut, von Blonde bis Grand Cru!

Friedensmahnmal aus Silex und …

Schon mal von Eben-Ezer und Robert Garcet gehört? Garcet war ein Steinbrucharbeiter, der eigenhändig innerhalb von 15 Jahren aus Zement und Silex eine „Ritterburg der Apokalypse“ als Friedensmahnmal erschuf, in dem sich heute ein Museum befindet. Es zeigt die weiteren Kunstwerke, die Garcet während seines Lebens geschaffen hat. Unter der Überschrift „Nahe am Paradies“ stellt uns der Autor ein Frittenerlebnis der besonderen Art in Aussicht: „Manneken Frit“ in Köpfchen. Für das leibliche Wohl kümmert sich auch die Brennerei Radermacher in Raeren, das ja sonst für seine Keramiken bekannt ist. Bio-Gin aus einer „Infusion von 11 Früchten“ und Lambertus-Whiskey destilliert man im ostbelgischen „Töpferdorf“. Alles rund um die Möhre findet man im Möhrenmuseum Eynatten, vom Flaschenöffner bis hin zu surrealistischen Laubsägearbeiten.

Radler schätzen das genussvolle Radeln auf der Vennbahntrasse, über die 2003 der letzte Zug ratterte. 130 km ist die Strecke lang, die man auf dem Drahtesel bewältigen muss, ehe man in Troisvierges (Luxembourg) ankommt.

Rock und mehr

Rock-´n-Roll- Liebhaber treffen sich in der Kneipe Spirit of 66 in Verviers, wo schon Slade, Ali Di Meola, Soft Machine, Wisborne Ash und andere „Legenden der Rockmusik“ die Bühne gerockt haben. Und wenn man schon mal in Verviers ist, dann kann man sich Macarons und einen Schokoriegel, auch „Backfischmaus“ genannt, schmecken lassen. Statt in den Katakomben des von Calatrava entworfenen futuristisch anmutenden Bahnhofs von Lüttich parkende Autos zu finden, kann man heute in einem Teil der Unterwelt des Bahnhofs wechselnde Ausstellungen besuchen. Näheres unter www.europaexpo.be.

Briefkastenparade und Konfettischauer

Eine Briefkastenparade aus Orten wie Theux, St. Vith, Eupen, Bütgenbach und Büllingen präsentiert der Autor seinen Lesern ebenso wie den Hinweis auf die Eupener Überoberstadt und Hinterunterstadt. Er entführt uns auf den Friedhof Simarstraße in Eupen und macht auf das IKOB Eupen aufmerksam, das Museum für Zeitgenössische Kunst. Die Burg Reuland steht ebenso wie Eseltrekking in Grüfflingen auf dem Programm einer Entdeckungstour durch Ostbelgien.

Der Karneval in Stavelot mit seinem Konfettiregen und der in Malmedy sind aus Ostbelgien, so Bernd Müllender, ebenso wenig wegzudenken wie das Boulodrom zu Spa. Und wer sportliche Abwechslung sucht, der schwingt sich in Sourbrodt auf ein feuerrotes Railbike und strampelt mit der Raddraisine durch die Landschaft. Und wie steht es um Gaumenfreuden? Keine Frage, Bauernhofeis kann man in Lotzen genießen, wo Marthe Corstjens und Betran Lahaye 100 Milchkühe halten, die „natürliche Quelle“ für Vanille-, Pistazien-, Erdbeer- und Zitrus-Cointreau-Eis. Also auf ins „unbekannte Ostbelgien“!

 

text © ferdinand dupuis-panther – Der Text ist nicht public commons

 

Bernd Müllender: 100 ORTE IN OSTBELGIEN & UMGEBUNG, Grenzecho Verlag, ISBN 978-3-86712-124-8, Preis: 15,00 €

 

Reisemagazin Kaishaiso

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